Pokal: RWE – KFC Uerdingen

Es gibt diese Spiele, auf die man sich freut, und dann gibt es diese Partien, bei denen die Freude sich mit einer gewissen Nervosität mischt. Der KFC keine Laufkundschaft, ein Ausscheiden im Bereich des Möglichen – aber dran glauben, dass das eigene Team es vielleicht doch packt, im Wissen, dass der Gegner „auf dem Papier“ sicher individuell besser besetzt ist.

Doch die letzten (alle!) Spiele dieser Saison sowie der miserable Start des KFC in die Dritte Liga mit nur sieben Punkten aus sechs Spielen sorgte sicher nicht nur bei mir dafür, dass das „Favoritenpendel“ in Richtung rot-weiss ausschlug. Vor solch einem Gegner musste sich unser bislang ungeschlagenes Team sicher nicht verstecken.

Entsprechend forsch begann unser Team dann auch mit dem gewohnten Pressing, während Uerdingen sich besonders in den ersten zehn Minuten durch Fehlpässe und Bälle ins Aus präsentierte. Kehl-Gomez räumte im Mittelfeld mit dem erneut grandiosen Grote alles weg, was kam, Heber startete neben Hahn und Bichler besetzte die rechte Seite. Für ihn musste Sauerland zunächst auf die Bank. Bereits nach vier Minuten hatte Dorow die Führung auf dem Fuß, als er von Condé angespielt frei vor dem Uerdinger Keeper auftauchte, dann aber zu lange zögerte, anstatt den Ball ins lange Eck zu schieben. Wenig später sendete dann Kefkir ein erstes Signal, sein Schuss nach einem Fehlpass des KFC-Keepers war aber dann doch zu harmlos.

Gerade als der KFC das Heft mehr und mehr in die Hand nahm (Außennetztreffer freistehend vor Lenz), sollte Kefkir dann aber seinen großen Moment haben: Nach feinem Zuspiel von Condé fühlte sich niemand für den ehemaligen Mitspieler zuständig. Ein paar Schritte aufs Tor zu und ein satter Schuss aus gut 20m aufs lange Eck, ein 1:0 der Marke „Traumtor“, das unser aktueller Top-Torschütze da erzielt hat! Hallo Sportschau, noch was frei fürs Tor des Monats?

Die Gäste reagierten wütend und schnürten RWE in den verbleibenden 15 Minuten der ersten Hälfte geradezu in der eigenen Hälfte ein. Besonders die rechte Abwehrseite wurde dabei häufiger überlaufen, sodass ich mit einem Wechsel zur Pause gerechnet habe. Bichler erledigte zwar seine offensiven Aufgaben recht gut, ließ aber immer wieder zu, dass über seine Seite einige Angriffe gefahren werden konnten. Die gefährlichste Uerdinger Chance gab es dabei noch nach einer Ecke, als Kevin Großkreutz den Ball am Tor vorbei schoss.

Nach dem Seitenwechsel war RWE dann darauf bedacht, nicht erneut so unter Druck zu geraten wie zum Ende der ersten Hälfte hin. Grote hatte das 2:0 auf dem Schlappen, scheiterte aber mit seinem Distanzschuss am Keeper. Besser machte es dann nach einer knappen Stunde Dorow, der nach einem Konter über Kefkir und Kehl-Gomez zwar dem Ball im Tor unterbringen konnte, aber wohl knapp im Abseits stand.

Nur drei Minuten später scheiterte Grote erneut als er einen Abpraller vom Eck des Sechzehners aufs Tor brachte, wobei der KFC-Keeper Glück hatte, dass er angeschossen wurde. Doch dann erlief Dorow einen schlechten Pass auf Ex-Bayern“star“ Kirchhoff. In einer 3-gegen-2-Situation behielt er die Nerven – Pass auf Endres, kurz angenommen und flach zum 2:0 vollendet! Ausrastende Fans, wohin das Auge reichte!

Und was macht man als Trainer, wenn man als unterklassiger Gegner in einem Pokalspiel mit zwei Toren führt? Richtig: Offensiv wechseln! Ich muss sagen, dass mir das allergrößten Respekt abringt, wie Christian Titz nicht versucht, solch ein Spiel mit der Mauertaktik über die Zeit zu bringen, sondern versucht, über die Offensive das eigene Tor zu entlasten. Das habe ich in meiner Zeit als RWE-Fan noch nicht erlebt. Ich muss aber sagen: GEIL! Jedenfalls kamen Dahmani, Adetula und Wirtz in die Partie und sorgten dafür, dass die Uerdinger ihre Defensive nicht vernachlässigen konnten.

Der KFC löste nun sämtliche taktischen Fesseln und warf alles nach vorne. Die Abwehr um Hahn und Heber (der heute nicht nur fehlerfrei blieb, sondern auch zwei „enge Kisten“ mit tollen Grätschen verhinderte) ließ aber kaum gefährliche Aktionen zu. Erst eine Viertelstunde vor Schluss konnte eine Flanke im Sechzehner angenommen werden, doch Rühle scheiterte aus ca. 2m am herauseilenden Lenz.

Adetula hätte dann den Deckel endgültig draufmachen müssen, als er im Laufduell gegen Steurer den Ball eroberte (weil letzterer in den Boden getreten hatte und liegen geblieben war). Doch wie das so ist: Da bist du einer von drei Angreifern (Kefkir und Wirtz waren mitgelaufen), hast noch einen Verteidiger und den Keeper vor dir, alle Optionen – Schuss oder Querpass – und dann überlegst du diese Viertelsekunde zu lange und der Ball ist futsch. Aber kein Vorwurf, der Junge muss halt noch eine Menge lernen.

Mit Ablauf der regulären Spielzeit konnte Rühle dann noch einen verdeckten Schlenzer auf den rot-weissen Kasten bringen, doch Lenz parierte auch diesen. Dass Boere noch in der Nachspielzeit einen Treffer erzielen konnte, weckte dann nochmal dieses „Bitte nicht“-Gefühl in mir, doch es gab keine weitere nennenswerte Uerdinger Chance, bis der Schiedsrichter das Spiel dann beendete und die rot-weisse Siegesparty beginnen konnte.

Insgesamt war dieser Sieg für unsere Truppe mehr als verdient. Zwar machte der KFC in den Schlussphasen beider Halbzeiten einen ernormen Druck, doch RWE behielt zu jedem Zeitpunkt die Ruhe, die meisten Situationen spielerisch zu lösen. Nur ganz selten wurde „gepöhlt“. Der KFC spielte jedoch wie eine klemmende Heizölrückstoßabdämpfung (hallo Christoph) und ist in dieser Form sicher kein Anwärter für den Klassenerhalt in Liga drei.

Bärenstark heute der bereits erwähnte Heber, doch auch Hahn war quasi nicht zu überwinden. Und bei unserem Mittelfeld komme ich wiederholt ins Schwärmen. Grote, Condé, Kehl-Gomez. Kein Durchkommen, ständig mit dem Auge für den richtigen Pass, technisch versiert. Nach dem Wechsel Dahmani für Kehl-Gomez dann Dorow als Spielmacher mit der Vorbereitung – um solch eine Qualität beneidet uns vermutlich jeder unserer Gegner. Anzumerken bleibt, dass erneut kein „Leistungsabfall“ zu bemerken war, trotz Vierfach-Wechsel gab es keinen Bruch im Spiel.

Zu bemängeln ist höchstens – wenn überhaupt – erneut die Chancenverwertung. Ein, zwei Mal der „richtige“ Pass, und der KFC geht mit drei oder mehr Gegentreffern nach Hause. Angesichts der sicher vorhandenen individuellen Klasse der KFC-Spieler jedoch ist dies Jammern auf hohem Niveau.

Wichtig wird es nun sein, nicht in ein Motivations-Loch zu fallen, denn mit dem SV Lippstadt und dem Bonner SC warten sicher keine ähnlichen Kracher auf uns (bei allem Respekt). Ich bin jedoch überzeugt, dass das Team mental dermaßen gefestigt ist, dass auch diese Pflichtaufgaben seriös angegangen werden. Die Daumen für die Alemannia jedenfalls sind für morgen gedrückt, wenn der SV Rödinghausen dort an unserem spielfreiem Wochenende anrückt.

2 Kommentare zu „Pokal: RWE – KFC Uerdingen“

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