Berlin, Berlin…

Am heutigen 14. Mai ist es 25 Jahre her, dass RWE im Berliner Pokalfinale stand. Drüben bei Catenaccio 07 und Im Schatten der Tribüne gibt es bereits hervorragende Berichte dazu, außerdem sei natürlich das Special bei Jawattdenn jedem RWE-Sympathisanten ans Herz gelegt.

Und auch ich möchte nicht versäumen, meine Erinnerungen zu teilen. Es war die Zeit, in der ich RWE für mich entdeckte. RWE hatte in der Aufstiegsrunde gegen Herzlake, Trier und Münster den Aufstieg in die Zweite Liga perfekt gemacht und ich besuchte mehr oder weniger regelmäßig die Heimspiele. So geschah es dann auch, dass ich erst miterleben durfte, wie RWE nach 0:2-Rückstand und „Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin“ einen 3:2-Erfolg mit Anpassung des Sprechchores machte und in der nächsten Runde auf den MSV Duisburg traf. Hier erinnere ich mich insbesondere an das frühe 1:0, als Harry Kügler dem Zebra-Torwart Rollmann den Ball wegspitzelte, und an das 4:2 durch die eingewechselte Kobra Wegmann, wenn ich mich richtig erinnere in seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr.

Nachdem dann (so sagte man mir, dieses Internetz gab es ja damals noch nicht) auch Jena bezwungen wurde, traf man im Halbfinale auf TeBe Berlin. Dieses Spiel habe ich damals mit meinem besten Kumpel und dessen Familie vor deren Fernseher verfolgt, ich kann mich leider kaum an dieses Spiel erinnern, wohl aber daran, dass am nächsten Tag überall über den Finaleinzug gesprochen wurde. Abends hieß es dann für mich und meinen Kumpel „Grugahalle“, Manowar sollten die Bude zum Beben bringen, bevor wir im Anschluss erfuhren, dass Werder Bremen unser Gegner in Berlin sein würde.

Und so begab es sich dann, dass ich in Begleitung zweier meiner Onkel – einer davon zum damaligen Zeitpunkt Ordner bei RWE, derjenige, der das Metalltor zum Spielertunnel geöffnet und geschlossen hat, der andere hat mir heute nochmal bestätigt, dass er bis Hannover keine einzige Partie Skat verloren hat – und vielen anderen Fans (darunter der damalige Bundesliga-Schiri Weber) am 14.05.1994 per Sonderzug von Essen nach Berlin fahren durfte.

In Berlin angekommen, mussten wir noch zu „Tante Emmi“ ins „schöne“ Wedding, einer doch ziemlich schrulligen Großtante, die ich davor nur eine Handvoll mal gesehen habe. Dort konnten wir immerhin kostenlos nächtigen, also nur kurz das Gepäck abgestellt und dann ab ins Stadtleben. Ich kann mich erinnern, dass an allen zentralen Punkten, die wir auf dem Weg ins Stadion passieren mussten, eine friedliche rot-weiss-grüne Party im Gange war. Nichts zu spüren von Rivalität, keinerlei Überheblichkeit auf Seiten der Bremer, die natürlich als klarer Favorit in die Partie gehen würden, befanden sie sich doch gerade in der wohl stärksten Phase der Vereinsgeschichte und trafen auf die wegen Lizenzentzuges abgestiegenen Zweitligisten. Nein, man vernahm Respekt, dass die Mannschaft sich trotz aller Widrigkeiten ins Finale gekämpft hatte.

Und dann war es soweit: Wir betraten das Olympiastadion zu Berlin als Teil von mehr als 60.000 Fans, um mit unserem Team um einen Titel zu kämpfen. Ein Gefühl, dass man kaum jemandem vermitteln kann, dessen maximale Erfahrung das Niederrhein-Pokalfinale war. Rot und Weiss wohin man blickte. Das ganze Spiel hindurch eine Mischung zwischen Anfeuerungsrufen und „Scheiß DFB“ (natürlich wurden Mikros vor der RWE-Kurve im Gegensatz zur Bremer Kurve gar nicht erst aufgestellt). Zum Spiel selbst ist wohl alles schon geschrieben worden, die Bremer Führung, das 0:2 – das alles ging so schnell, es ist so viel, was da auf mich einprasselte. In der Halbzeitpause bekam ich eine Bratwurst spendiert, und ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Onkel meinte, dass mit dem Halbzeitstand alle Chancen auf das Wunder abgehakt werden könnten.

Was jedoch auf dem Platz folgen sollte, war aus rot-weisser Sicht der helle Wahnsinn. Anschlusstreffer von Bangoura, und schon spielte nur noch das Team aus dem Pott. Angriff um Angriff rollte auf das Bremer Tor, doch dieser verdammte Ball wollte einfach nicht in den Kasten. Dann überspielte man die Schmähgesänge plötzlich mit Musik vom Band, um nicht im TV Ziel der Kritik zu werden. Doch das spornte uns nur an, noch lauter, noch energischer zu brüllen. Kurz vor Schluss wurde Frankie Kurth dann noch überlupft und auf der Linie rettete ein rot-weisser Spieler per Hand – Elfmeter und Rot (ich meine, hier musste der falsche Spieler vom Platz). Diese Chance ließ sich Rufer nicht entgehen, er stellte den 3:1-Endstand her.

Die Siegerehrung wurde dann einmal mehr zur Bühne für RWE-Protest. Noch während die Bremer den Pokal in die Höhe streckten, vernahm man am TV die „Scheiß DFB“-Rufe. Ich weiß noch, dass wir noch eine ganze Weile der Ehrenrunde der Bremer beiwohnten, während sich die Ränge langsam leerten. Die Hoffnung auf den Ausgleich, die so jäh zerstört worden war, hatte doch viel Kraft gekostet

Auf dem Weg zur Bahn wurden wir von vielen Bremer Fans angesprochen, immer wieder Respekt in der Stimme, immer wieder aufmunternde Worte. Einfach toll. An diesem Abend wurde bekanntermaßen die noch heute bestehende Freundschaft mit dem SV Werder begründet, man feierte gemeinsam noch bis in den frühen Morgen. Für mich war es mehr als das. An diesem Abend stand für mich fest, dass RWE mein Verein ist und bleiben wird. Aus „ein paar“ Spielen je Saison wurde ein regelmäßiger Besuch, ich konnte ja nicht wissen, auf was ich mich da einlassen würde…

Da ich mich leider meinem Onkel anschließen musste, konnten wir den vielen Feierlichkeiten nicht lange beiwohnen, doch wir beschlossen den Abend mit einem Bierchen irgendwo in Wedding, bevor es ins Bett und am nächsten Morgen per Zug zurück gehen sollte.

Das komplette Finale findet man übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=Q0XlUX9_Q6Q

Zusammenfassung / Höhepunkte unter: https://www.youtube.com/watch?v=YnM95Fz-Ohk

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