Ein Kommentar.

 

Der Reviersport nennt exklusiv zwei Spieler, die bei uns auf dem Zettel stehen sollen, der Verein erteilt eine klare Absage. In der WAZ versucht die Funke-Gruppe derweil, Unruhe zu stiften. „Ein Kommentar.“

Als der Reviersport im Februar sich berufen fühlte, Termine für Vertragsabschlüsse zu diktieren (hier), indem man erklärte, „bis März sollten die Essener einen Lucas-Nachfolger gefunden haben“, ließ man sich in der RWE-Führungsetage dadurch nicht aus der Ruhe bringen, sondern führte die Gespräche hinter verschlossenen Türen. Nur ganz wenige Eingeweihte wissen bis dato, wer der neue sportliche Leiter wird, der laut Marcus Uhlig intensiv in die Kaderplanung involviert ist.

Als ich heute Morgen völlig „oldschool“ die Printausgabe der WAZ aufschlug, stolperte ich über folgenden Kommentar (sorry für die Grafiklänge):

img_8302(Übrigens: „Vorgänger“ muss man in diesem Zusammenhang nicht in Anführungszeichen setzen, denn er ist de facto der Vorgänger.)

Es wird geradezu die Verzweiflung deutlich, dass einfach NICHTS durchsickert. Was macht man also? Man versenkt die ersten Haken, an denen man sich später hochziehen kann, man versucht, Jürgen Lucas in die Schussbahn zu stellen, indem man ihm jetzt bereits Entscheidungen bei den Transfers unterzujubeln droht. Doch Lucas handelt nicht, er ist im Grunde nur der „Bote“, ein Erfüllungsgehilfe, die lange Hand des neuen Sportvorstands. Ich bin sicher, dass er – der Mann, dessen Blut vor rot-weissen Blutkörperchen nur so schäumt – nicht ohne Absprachen tätig wird. Das Thema rund um Nico Lucas ist zudem so sehr ausgelutscht, dass es sich kaum noch lohnt, darauf einzugehen. Trainer kamen und gingen, Nico Lucas blieb im Kader. Irgendwas werden die Verantwortlichen wohl in ihm gesehen haben. Die Behauptung, der Vater habe irgendetwas mit der Aufstellung des Sohnes zu tun, ist schlicht abstrus. Warum hier noch immer unterschwellig Öl ins Feuer mancher Fans gegossen wird, ist mir offen gesagt ein Rätsel.

Abschließend geht der gute Rolf Hantel nochmals auf die zwei „Kracher“ ein, die nicht verpflichtet werden. Es wäre nur richtiger gewesen zu erwähnen, dass es Kollegen des eigenen Verlags waren, die diese Namen ins Spiel brachten: Vergangenen Dienstag vermeldete der Reviersport (hier): „RevierSport kennt zwei weitere Namen von Spielern, die auf der RWE-Wunschliste stehen. […] Wie RevierSport erfuhr, stehen Sebastian Neumann (28, MSV Duisburg) und Dominik Ernst (28, Fortuna Köln) auf der Essener Wunschliste.“

Nach dem deutlichen Dementi des Vereins darf man wohl sagen: Nein. Kennt ihr nicht. Aber wenn man nur oft genug Namen in den Ring wirft, ist vielleicht mal ein Treffer dabei. Ganz exklusiv – versteht sich. (Kleiner Tipp am Rande: Nicht jeder, der im RWE-Forum etwas schreibt, hat Insider-Informationen…)

Doch was war die Folge? Neumann spielt mit Defibrillator, bei uns Fans kommen da gleich Erinnerungen an Daniel Engelbrecht hoch, der im Training der Vorbereitung zusammenbrach und operiert werden musste, schlussendlich keine einzige Partie für RWE absolvierte und sich damit in die Reihe gescheiterter Hoffnungsträger einreihte. Die Stimmung in sozialen Medien und Foren pegelte sich umgehend zwischen Zorn, Zynismus und Spott ein. Und obwohl diese Spieler wohl überhaupt kein Thema an der Hafenstraße sind, wird irgendwo bei einigen Leuten ein fader Geschmack übriggeblieben sein. Muss das wirklich sein?

Ich bleibe dabei: Das Team um Marcus Uhlig leistet eine tolle Arbeit. Wer das anders sieht, sollte einfach mal einen Blick nach Wuppertal werfen. Dieses Chaos, das dort herrscht, scheint für uns so unfassbar weit weg, und das ist auch gut so. Ich bin mir sicher, wir werden hier noch einige Namen hören, die sich hier noch vor ein paar Wochen niemand hätte vorstellen können. Mein Appell: Lasst die Leute in Ruhe arbeiten!

Anstatt ständig Strohfeuer zu legen und Gerüchte zu verbreiten, würde ich mir zudem von Seiten der professionellen Autoren etwas mehr Raison wünschen. Es wäre ein weiterer Baustein, der dem großen Ziel „sportlicher Erfolg“ beitragen könnte.

Blasse Nullnummer

Fröhlichen Palmsonntag allerseits. Nachdem mich gestern die Kälte im Stadion so genervt hat, dass ich an akuter Couchitis erkrankt war, reiche ich hiermit meinen kleinen Bericht zur gestrigen Partie nach.

„Klein“ deshalb, weil es eine Partie ohne wirkliche Höhepunkte war. Im Fernsehen würde man vielleicht von einem taktischen Leckerbissen sprechen, für den geneigten Stadionbesucher war dies aber sicher kein Spiel, von dem man auch nur in einer Woche noch reden wird.

Die Vorzeichen ließen eigentlich nichts Gutes erwarten: RWE mit langer, langer Verletztenliste (u.a. Wegner und Zeiger mit Saisonaus, bei Freiberger noch unklar, Grund verletzt), immerhin konnte Scepanik mit rot-weisser „Badekappe“ spielen und auch Erwig-Drüppel nahm zunächst auf der Bank wieder Platz. Zudem hatte RWE im Hinspiel eine derbe 0:5-Packung (gegen Rode, Kagawa und Isak) bekommen, in der Winterpause kam ein 0:4 in einem Testspiel ohne Profi-Unterstützung hinzu).

Insgesamt war es von unserer Mannschaft gar nicht mal eine schlechte Partie. Die Abwehr um Korczowski, Becker und Heber strahlte eine absolute Souveränität aus und ließ während des gesamten Spiels nicht einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Tor zu. Doch nach vorne fehlten jedoch die Akzente. Zu viele Zweikämpfe im Mittelfeld wurden verloren, und wenn nicht, dann landete der „zweite“ Ball in schöner Regelmäßigkeit doch wieder bei einem Borussen. Die Dortmunder hatten gefühlt etwa 75% Ballbesitz, der sich aber zu großen Teilen auf Torwart, Innen- und Außenverteidigern verteilte, wo der Ball immer wieder von links nach rechts und wieder zurück gespielt wurde. Offensivbemühungen sehen anders aus.

Kurz vor der Halbzeitpause dann aber DIE Gelegenheit für RWE: Ballverlust BVB, Platzek schaltet schnell und schickt Wirtz über rechts, der freie Bahn vor sich hat. Querpass auf Baier (vielleicht ein kleines bisschen zu steil), der in der Mitte von Konaté am Schuss wird. Elfmeterreif? Vielleicht – ich würde mich aber eher auf „nein“ festlegen.

In der zweiten Hälfte dann (leider) dasselbe Bild: BVB mit viel Rückpass-Geschwumse, RWE ohne den letzten Biss (okay, vermutlich wäre man ob der Dortmunder Ballsicherheit nur vergeblich hinterhergerannt). Torraumszenen? Weitestgehend Mangelware. Bis zur Nachspielzeit (!): Erneut ist Wirtz durch, spielt fast von der Grundlinie einen feinen Querpass auf den mittlerweile eingewechselten Erwig-Drüppel, der verdeckt aufs Tor schlenzt, in Oelschlägel jedoch seinen Meister findet. Der Abpraller landet bei Urban, der den Ball noch annehmen kann, den Nachschuss dann aber deutlich über den Kasten setzt – das wäre ein tolles Geburtstagsgeschenk gewesen.

So jedoch blieb es beim insgesamt gerechten (ich mag nicht vom „verdienten“ reden) Unentschieden. Gegen einen starken Gegner (alle BVB-Spieler haben für die Liga ein Top-Niveau, sonst würden sie ja in Wuppertal spielen) keinen Torschuss zugelassen, trotz deutlich weniger Ballbesitz die besseren Chancen erarbeitet – „immerhin nicht verloren“ (RevierSport) halte ich da für zu wenig. Es müsste eher „leider nicht gewonnen“ heißen.

Mann der Partie für mich Daniel Heber, der den Dortmunder Torjäger Boyamba völlig abgemeldet hat und sich in keiner Situation auf einen unnötigen Befreiungsschlag einließ.

Für RWE geht es nun am Ostersonntag zur Viktoria nach Köln. Mein Horrorszenario: Wir gewinnen in Köln, verlieren in Oberhausen und tragen so dazu bei, dass RWO… Nein! Darüber mag ich nicht nachdenken!

Pokal? Abgehakt.

Pokal, Halbfinale, Flutlicht. Es hätte so schön werden können.

RWE hatte heute eine Bärenaufgabe vor der Brust, denn trotz der Schwächeperiode der Gäste konnte der KFC natürlich seine von russischen Millionen subventionierte Alt-Star-Truppe um die Ex-Bundesliga-Spieler Lukimya, Aigner, Beister und Weltmeister Großkreutz aufbieten. Und obwohl unsere Roten zunächst den Weg Richtung Gästetor suchten, sollte schon nach nur sechs Minuten der erste Rückschlag erfolgen.

Zwar konnte sich Baier in der Mitte der eigenen Spielfeldhälfte den Ball erobern, spielte Brauer den Ball aber wegen eines Missverständnisses in den Rücken, sodass Uerdingen schnell reagieren konnte: Schuss Großkreutz, Heller pariert zwar noch, war aber gegen den Nachschuss aus gut 4m machtlos – 0:1.

Dennoch gehörten die besseren Aktionen RWE: Zunächst kann Scepanik einen verdeckten Schuss abfeuern, der gerade noch vom Keeper geklärt werden kann, die folgende Ecke wird verlängert und am langen Pfosten verpassen zwei Rote den Ball nur knapp.

Wenig später vertändelt Korczowski den Ball, aus fast identischer Situation wie beim Gegentor fliegt der Ball diesmal jedoch knapp über den Kasten. Bei einem weiteren Konter spitzelt Beister den Ball knapp am Kasten vorbei, dann konnte RWE die beste Chance des Spiels verbuchen. Nach einer erneut verlängerten Ecke landet der Ball erneut bei Korczowski, der den Ball stoppen kann, ihn dann aber an die Latte setzt.

Und als ob es nicht alles schon bitter genug ist, gibt unser Team eine Bewerbung für Zeiglers Kacktor des Monats ab: Rückpass Zeiger auf Heller, der will den anlaufenden Stürmer verladen, verliert dabei den Ball. Der Schuss landet am Pfosten und springt ins Feld zurück, wo aus unserem Team nur Heber und Brauer mitgelaufen sind, die den Treffer jedoch nicht mehr verhindern können. 0:2…

Dieses Tor, das mich auch ein wenig an Heimanns „Aubameyang-Trick“ erinnerte, es hätte meiner Meinung nach nicht gegeben werden dürfen. Wie die Fernsehbilder zeigen, stößt der Uerdinger Heller klar um, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, den Ball zu spielen. Aber seht selbst:

Wie dem auch sei: Dieser Treffer zeigte Wirkung. Bis zur Pause konnte RWE keine Aktion mehr herausspielen, Uerdingen verlegte sich aufs Verwalten.

Nach dem Wechsel war es das Team in rot, das das Spiel bestimmte. Uerdingen blieb ohne weitere Torchance und überließ unserer Mannschaft weitestgehend das Feld. Flanke um Flanke wurde – zumeist von rechts – geschlagen, leider fand RWE jedoch nicht die Mittel, die hochgewachsenen Innenverteidiger zu überflanken oder mal dazwischen durchzubrechen, um frei aufs Tor zuzugehen. Hinzu kam das immer offensichtlichere Zeitspiel, das in jeder Menge Bodenkontakt und „länger“ dauernden Abstößen mündete.

Neitzel brachte neben Wirtz und Platzek (zur Pause für Wegner gekommen) noch Freiberger als zusätzliche Spitze, schickte gegen Ende noch Zeiger mit nach vorne, um die langen Bälle von hinten weiterzuleiten, doch auch das sollte keine „echte“ Torgefahr für die Gäste bedeuten.

Symptomatisch für diese Phase kurz vor Schluss: Kurze Ecke Grund auf Baier. Diesem ist zunächst die Flanke versperrt, er zieht nach innen, wo er drei Mal den Schuss ansetzen, dann aber mangels freier Schussbahn weiterziehen muss. Am Ende steht er auf der anderen Seite des Sechzehners und spielt einen (okay, katastrophalen) Fehlpass…

Im Kreise „meiner Jungs“ wurde der ausgebliebene Pokalfight bemängelt. Ich möchte jedoch kurz erläutern, warum ich das eben nicht so sehe:

Ein Pokalfight im Sinne von Grätschen, von Kratzen und Beißen, kann meiner Meinung nach ja nur aufkommen, wenn der Gegner entsprechend dagegenhält, wenn es quasi hin und her geht auf dem Spielfeld. Bis auf wenige Situationen war dies aber nur bedingt der Fall: Einerseits verlegte sich der KFC in weiten Teilen darauf, per Langholz zu klären, andererseits stand unsere Verteidigung so sicher, dass der Ball schnell zurückerobert werden konnte. Baier und Brauer machten die Mitte bereits frühzeitig zu, während Korczowski und vor allem Heber (was für ein Pensum, Wahnsinn!) über außen nichts zuließen. Der Rest endete bei Zeiger, der in ein, zwei Situationen vielleicht ein wenig schwerfällig wirkte. Aber: Die Jungs wollten, die Jungs sind angerannt. Man darf aber auch eben die oben angeführten Unterschiede in Erfahrung und Marktwert nicht außer Acht lassen. Daher: Kein Vorwurf meinerseits!

Trotz des Ausscheidens finde ich es zu einfach, dies an Hellers Patzer (Zitat Reviersport, für mich Foul) oder an einem „schlechten Spieler XY“ festzumachen. Zu dicht das Bollwerk des KFC, zu harmlos unser eigenes Spiel.

Aber: auch wenn jetzt in obigem Blatt die Rede davon die Rede ist, dass RWE nun den Saisonhöhepunkt hinter sich habe – für mich findet dieser erst in unserer westlichen Nachbarstadt statt, wenn wir denen den Aufstieg vermiesen.

Darum: Kopf nicht hängen lassen, so bitter es ist. Der Gegner war höherklassig (vielleicht noch eine Klasse nominell dazu), und immer noch besser eine Niederlage im Finale gegen unsere „Freunde“ aus dem Tal.

Ziel muss es nun sein, die Liga mit Platz 5 oder besser abzuschließen, denn dann hätten wir immer noch eine recht erfolgreiche Saison gespielt, auf die es in der kommenden aufzubauen gilt – mit frischen Finanzmitteln, einem neuen sportlichen Leiter und mit einigen neuen Leuten auf dem Feld.

Nur der RWE!