Fallhöhe

Eigentlich wollte ich einen „kompletten“ Rückblick auf die Hinrunde schreiben. Angesichts des neuesten Blogposts von Im Schatten der Tribüne möchte ich die Idee aber aufgreifen und den virtuellen Redeball an mich nehmen.

Die typische (schlimm genug) Saison der Rot-Weissen verlief in den vergangenen Jahren so: Erstes Spiel okay, dann meist eine tolle Leistung gegen einen übermächtigen Gegner im Pokal, gefolgt von zwei, drei mauen Vorstellungen in der Liga und schwupps! war man hinter der berühmten Musik. So begannen schon im September die Rechnereien, ob und wie man denn wieder nach oben kommen und den Anschluss finden könne.

Nicht so dieses Jahr. Nach einem knappen 1:2 in Rödinghausen – 14-Sekunden-KO von Freiberger inklusive – berappelte sich die Mannschaft, blühte gegen Wuppertal geradezu auf und spielte sich danach in so etwas wie einen Rausch. Als Belohnung gab es die Tabellenführung, tolle Stimmung allüberall und der gemeine Fan begann zu träumen. Wer sollte RWE noch stoppen. Die Antwort hieß Lippstadt, doch man verzieh den Ausrutscher gegen einen erstaunlich offensiven Aufsteiger, den verschossenen Elfer kurz vor Schluss. Es sollte jedoch der Auftakt zu sechs sieglosen Spielen werden. Von Platz 1 ging es bis zum Ende der Hinrunde nun auf Platz 8 hinunter – Adieu, Aufstieg.

Der Einsatz stimmte bei mindestens 14 von 17 Partien. Das Spiel beim BVB sieht so mancher Fan zwiegespalten, ich sage, dass man einen Kagawa mit den Fähigkeiten unserer Spieler auch mit gröbster Härte kaum hätte stoppen können. Das Spiel in Verl war von beiden Seiten eher mäh geführt, und Düsseldorf war der bisherige Tiefpunkt der Saison, was das Engagement auf dem Platz angeht (habe ich mir sagen lassen, war selbst verhindert). Dass man gegen einen tiefstehenden Aufsteiger (Straelen) keine Lösung findet und nur unentschieden spielt, so etwas passiert halt. Nein, der Einsatz war ein Faktor, den man den Spielern nur schwerlich absprechen kann. Selbst wenn man einen oder mehrere Spieler kritisieren möchte, so haben selbst diese Spieler für ihre Verhältnisse alles in die Waagschale geworfen. Ob das für die Regionalliga genug ist, mögen andere beurteilen, aber ich war zufrieden mit der Art und Weise, wie RWE aufgetreten ist.

Die Fans haben – wenige Störfeuer in Form von Anfeindungen gegen eigene Spieler mal ausgenommen – auch weitestgehend die Mannschaft mitgetragen. In der Phase der sieglosen Partien gab es trotzdem aufmunternde Worte und Applaus von den Tribünen, weil man sah, dass die Mannschaft will. „Wir halten zusammen, RWE, RWE!“ galt endlich wieder.

Bleibt der Faktor des „Spielglücks“. wie es ja neuerdings im Fußballjargon heißt. Machen wir den verdammten Elfer gegen Lippstadt, oder eine der drei dicken Chancen vor der Gladbacher Führung, geht die Bogenlampe des BVB-Verteidigers in deren eigenen Kasten oder treffen wir dort nicht noch zweimal Alu – wer weiß, wo wir stünden. Natürlich kann man gegen Aachen verlieren, aber wenn man sieht, dass Aachen nur diese eine echte Torchance hat und wir vergeblich gegen deren Tor angelaufen sind, dann ist das schon bitter.

Ich will nicht sagen, dass die Mannschaft keine Schuld trägt. Natürlich darf man gewisse Fehler im Spiel so nicht machen. Einige Gegentore sind zu leicht gefallen. Die rote Karte von Pröger war unnötig, aber wohl einer gewissen Emotionalität geschuldet. Mal ist ein Spieler zu eigensinnig vor dem Kasten, mal zu „blöd“ (man beachte die Anführungszeichen), einen Pass an den Mann zu bringen. So ist dort natürlich auch ein Teil der Schuld anzusetzen. Trainer Neitzel nimmt vieles davon auf seine Kappe, trotzdem hat man das Gefühl, dass er deutlich weniger kritisiert wird wie noch seine letzten drölf bis mümzehn(TM)  Vorgänger. (Auch das tatsächlich ein positiver Aspekt, wie ich finde.)

So jedenfalls stehen wir nun auf Platz 8. Durch diesen freien Fall ist aus der totalen Euphorie nun eine tiefe Enttäuschung geworden, diesmal nicht schon im September, sondern erst ab Mitte Oktober.

Als ich neulich gefragt wurde, wie man als Blogger denn nun damit umgehen solle, antwortete ich in etwa, dass wir ja keine Wahl haben. Wir können nicht aus unserer Haut. Die meisten von uns Fans werden auch gegen Rödinghausen wieder vor Ort sein.

Die Mannschaft ist nun in der Pflicht, so abgedroschen das auch klingen mag. Die Saison in irgendeiner Form abzuschenken, so etwas darf es trotz allem nicht geben. Nach unten hin wird – allen Unkenrufen zum Trotz – nichts mehr passieren, die nötigen Punkte werden wir einfahren, da mache ich mir keinerlei Sorgen. Nach ganz oben muss man sich aber auch wohl nichts mehr vormachen. Trotzdem – in meinen Augen muss sich die Mannschaft an folgenden Punkten messen lassen:

  • weiterhin 1907% Einsatz auf dem Platz
  • einen 2-Punkte-Schnitt in der Rückrunde
  • Platz 5 als Minimum
  • optimalerweise noch vor RWO landen, um denen mal (sorry für die Ausdrucksweise) das Maul zu stopfen
  • Erreichen des Pokalfinales, besser noch Gewinn des Niederrheinpokales, um über den „großen“ Pokal weitere Mittel generieren zu können

Dies meine Gedanken zum Status Quo von RWE zum Ende der Hinrunde. Noch jemand, der sich dazu äußern mag?

Ein Gedanke zu „Fallhöhe“

  1. Ein 2-Punkte-Schnitt in der Rückrunde ist Stand heute natürlich ziemlich optimistisch. Aber gut, ich gehe sogar ein Stück weiter und „verlange“ eine Platzierung unter den ersten 3. Der Gewinn des Niederrheinpokals ist natürlich jetzt das verbliebene Ziel, ist aber wie immer nur das berühmte Trostpflaster. Schaun mer mal.

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