Kommentar zum Reviersport-Artikel zum Thema Begeisterung

Die Presse der Funke-Gruppe, insbesondere die Freunde von Reviersport, schrieben heute, RWE brauche „ein Team, das Begeisterung weckt“. Doch ist das wirklich so?

Den Faktor „Begeisterung“ zu messen, ist nicht so einfach, da nur wenige objektive Parameter zur Verfügung stehen. Einer dieser Parameter ist sicherlich der Zuschauerzuspruch. Fangen wir also damit an:

– Beim ersten Saisonspiel mussten wir diesmal aufwärts antreten. Den Sieg in Wiedenbrück sagen rd. 2.300 Zuschauer, darunter mit Sicherheit die Hälfte aus Essen. 

– Es folgte ein Sieg gegen Bonn zu Hause vor stattlichen 9.500 Zuschauern.

– Angespornt von zwei Siegen in Folge konnte Wuppertal mehr als 11.000 Zuschauer gegen uns verbuchen. Dieses Spiel endete nur 0:0, war relativ ereignislos und wurde wohl nur aufgrund einer Fehlentscheidung in der Nachspielzeit nicht gewonnen. 

– Es folgte das Spiel gegen Viktoria. Fürs Protokoll: vor der Partie hatten wir 7 von 9 Punkten geholt und traten nun gegen den vielleicht ärgsten Rivalen (emotional) der letzten Jahre an. Trotzdem lockte das Match nur knapp 8.100 Zuschauer ins Stadion. Resultat: 0:4. Dass das Spiel in meinen Augen besser war, als das Resultat vermuten lässt, lasse ich mal außen vor.

– das Spiel gegen Gladbach sagen danach nur noch es. 6.100 Zuschauer…

An dieser Stelle kommt bei mir bereits dritte Frage auf, ob nicht vielleicht zu wenig verziehen wird, die Ansprüche zu hoch angesiedelt sind (Stichwort „wir müssen jeden Gegner weghauen, sonst ist alles Mist!“). Zumindest bei einem signifikanten Anteil scheint dies durchaus der Fall zu sein. Im Übrigen ist dies auch immer an den Kommentaren bei Facebook und Co. abzulesen, hier wird deutlich mehr geschimpft und kaputtgeschrieben als gelobt. 

Was macht ein begeisterndes Team sonst noch aus? Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich begeistert bin, wenn die Mannschaft um jeden cm kämpft. Die langen Wege gegangen werden, wenn die Beine auch schwerer werden. Auch in diesem Punkt bin ich aber eigentlich zufrieden: an mangelndem Einsatz hat es in meinen Augen vielleicht in einer oder zwei Partien gemangelt (Fortuna auswärts z.B.), ansonsten finde ich nicht, dass man dem Team diesbezüglich viel vorwerfen kann. Klar, viele Chancen würden leichtfertig oder zu hektisch vergeben, manchmal fehlte es auch an der zündenden Idee, um ein Abwehrbollwerk zu knacken, dass Engagement war aber durchaus vorhanden. 

Typen! Ein anderer Punkt, der Begeisterung wecken kann. Jemand, der mal einen Gegner „wegflext“. Der dadurch Mitspieler und Fans wieder auf Temperatur bringt, wenn man auf dem besten Wege ist, in einen Schlummerzustand zu verfallen. Solche Typen haben wir. Baier sei hier zu nennen, Huckle, der leider im Moment etwas hinten ansteht. Auch Malura ist einer dieser fiesen Kerle, die ich in anderen Teams so hasse. Eine weitere Identifikationsfigur wäre wohl Zeiger, der aber wilde Grätschen und ruppiges Spiel wegen seines Stellungsspiels einfach nicht nötig hat. Spieler wie Grund oder Platzek identifizieren und bekennen sich seit Jahren voll zum Verein, andere könnten hier folgen. Generell sehe ich in puncto „Typen“ aber durchaus Luft nach oben. 

Der letzte Punkt, der mir spontan eingefallen ist, ist der natürlichste Grund für Begeisterung: Erfolg. Ein Team, das von Woche erfolgreich durch die Liga zieht und Sieg um Sieg erringt, erweckt Begeisterung ohne Ende. So gesehen in der legendären Saison 03/04, in der wir nach zwei knapp verpassten Aufstiegen in Folge auf bestem Wege waren, hieraus einen Dreierpack zu schnüren, dann aber nach der Winterpause kein Spiel mehr verloren (nur zwei Unentschieden?). Mit dem anhaltenden Erfolg wuchs die Hoffnung, es doch noch packen zu können, von Mal zu Mal wurde es voller im GMS, und am Ende lagen wir uns alle in den Armen. Ich behaupte, dass zwischen Begeisterung und Erfolg besteht eine Wechselwirkung. Das Eine braucht das Andere, und wenn eines von beiden ausbleibt, bricht auch das andere schnell weg. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage ob den nun das Huhn oder das Ei, pardon, der Erfolg oder die Begeisterung zuerst da sein müsse, würde ich sagen, dass zu Beginn jeder Saison ein gewisser Vorschuss an Begeisterung durchaus gegeben ist. Quasi als Starthilfe für das rot-weisse Perpetuum Mobile. Leider sind es diese verdammten Niederlagen, die viel zu schnell Sand ins Getriebe bringen. 

Die Kunst ist es, die Stimmung rund um den Verein mit entsprechenden Erfolgen hochzuhalten. Leider hat das Essener Publikum eine Tendenz zum Fatalismus, hier herrscht schon beinahe traditionell statt „Jetzt erst recht“ eher „das wird wieder nix“. Ob dies ausreicht, dem Team die Begeisterungsfähigkeit abzusprechen, muss jeder für sich entscheiden. Einem Blatt, dass sich wie die Fahne im Wind immer wieder dreht, traue ich persönlich aber kein objektives Urteil dazu zu.

(Besucherzahlen lt. Reviersport)

2 Kommentare zu „Kommentar zum Reviersport-Artikel zum Thema Begeisterung“

  1. Begeisterung: Dann, wenn du nach einem wichtigen Tor den Bierbecher in deiner Hand vergisst, die Zigarette in der anderen, die Frau an deiner Seite sowie für einen kurzen Moment Uhrzeit, Datum und vielleicht sogar deinen eigenen Namen.

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  2. Begeisterung: wenn ich nicht wegen dem Verein, der Vergangenheit oder aus Gewohnheit sondern aus Liebe zum guten Fussball unabhängig von Wetter und Kosten mit ein paar Freunden oder der Familie ein „geiles Spiel“ sehen darf. Dazu gehören 11 Leute, die der „verlängerte Arm/äh…Fuß auf dem Rasen“ sind. Aber nicht 3-4 die sich regelmäßig den Hintern aufreissen und 5 die nur „ihren Job“ machen. Diese Saison hier und die nächste…irgendwo?!
    Holt bitte einfach 2-3 Mann, die spielen und gewinnen wollen, setzt weiter auf lokale Jungspunds mit Heisshunger und Talent und 2 Mann, die den Verein richtig führen können: ganz einfach!

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