Erwartungen und Enttäuschungen

„Et hätt‘ noch immer joot jejangen.“ So oder so ähnlich lautete vor einigen Jahren mal ein Motto im Kölner Karneval. Heute ist es noch mal gut gegangen. Die TSG Sprockhövel wurde in einer extrem zähen Partie 3:2 besiegt. 

Doch trotz des Sieges bin ich heute nicht zufrieden. Das beginnt mit dem Ergebnis. Angesichts der bisherigen Leistungen in dieser Saison erwarte ich, dass so ein Gegner – zumal an der Hafenstraße – dominiert wird und mit mindestens zwei Toren Unterschied nach Hause geschickt wird. „Keine Angst vor Wiedenbrück“ muss gegen einen vom Abstieg bedrohten Aufsteiger ebenso gelten. 

Man kann gegen solch einen Gegner, der eigentlich nichts zu verlieren hat, gerne auch ein Tor kassieren. Gar kein Problem. Aber die Art und Weise, wie die komplette Abwehr im kollektiven Tiefschlaf die Treffer zu- und ihren Keeper im Stich gelassen hat, war unter aller Kanone. 

Aus dem Mittelfeld kamen heute ebenfalls nur wenige Impulse nach vorne. Fehlpass um Fehlpass wurde gespielt, immer wieder der Gast zu Kontern eingeladen. Baier war in der ersten Halbzeit noch sehr engagiert, nach dem Wechsel aber genauso blass wie Rabihic bzw. Brauer. 

Das bisschen Positive heute ist wohl die Tatsache, dass wir drei Treffer erzielen konnten. Nach dem frühen 0:1 (Slalom mit Flachschuss ins lange Eck, der passte ganz genau) konnte Platzek nach einem Freistoß von Baier, den der Keeper nur abklatschen ließ, den Ausgleich erzielen. Baier hätte mit einem Freistoß aus zentralen 18m beinahe die Führung erzielt, traf aber nur den Pfosten. Wenig später stoppte Fußballgott Platzek den Ball mit der Brust und hielt aus der Drehung einfach mal drauf – unhaltbar zum 2:1.

Damit ging es dann auch in die Pause. Mein verhaltener Optimismus, die Partie sicher über die Bühne zu bringen, erwies sich als Fehler. Sprockhövel rackerte und kämpfte um jeden Zentimeter, stand unseren Jungs auf den Füßen, die selbst aber kein Mittel fanden, den letzten Pass zu setzen. Nach erneutem Kollektivversagen der über die komplette zweite Halbzeit unnötig nervösen Abwehr fiel dann der nicht mal unverdiente Ausgleich.

Wenige Minuten vor Schluss dann aber die Erlösung: Löning, der für den engagierten Ngankam eingewechselt worden war, spielte mal nicht blind nach vorne, sondern sicherte den Ball im Mittelfeld, wartete bis Huckle gestartet war, spielte in dessen Lauf. Die Flanke war eigentlich zu lang, das Raunen auf der Tribüne nicht zu überhören. An der Seitenlinie erlief Grund den Ball, legte ihn sich auf den linken Fuß und flankte gefühlvoll in die Mitte, wo Bednarski per Kopf in die lange Ecke zum Sieg verwandelte.

Die Schlussminuten blieben interessant: Heimann fischte eine 100%ige aus dem Winkel, obwohl er eigentlich schon in die andere Richtung unterwegs war, und mit dem Schlusspfiff verschossen die Gäste einen indirekten Freistoß aus gut 18m.

Unter dem Strich bleibt, dass wir weiterhin seit Wochen ungeschlagen sind. Nur das zählt. Anspruch und Resultat passten nicht zusammen, wenn jedoch weiter gepunktet wird, fragt danach bald niemand mehr. 

Zurück zu meinen Erwartungen: Ich erwarte, dass dieses Spiel ein Ausrutscher bleibt und kommende Woche das Nachholspiel gegen die Schlümpfe wieder mit mehr Einsatz und Dominanz bestritten wird. Ein 3:0 wäre so recht nach meinem Geschmack. Vermutlich wäre ich aber wohl auch mit einem 3:2 zufrieden. 

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