Ver(l)dienter Sieg.

Der SC Verl ist seit vielen Jahren in der Regionalliga zu Hause und hat sich in den vergangenen Spielzeiten meist frühzeitig im Tabellenmittelfeld festgesetzt. Hier in Essen belächelt man die Ostwestfalen gerne, hat der Ort doch weniger Einwohner als der Korfu-Grill in Huttrop Stammkunden.

Die Gäste sind recht ordentlich in die Saison gestartet und kamen mit ordentlich Dampf aus der Kabine. Außer ein paar schönen Kombinationen sprang aber nicht mehr heraus, so dass unsere Elf mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel bekam und die Verler in die eigene Hälfte zurückdrängen konnte. Nach einer schönen Flanke von links schraubte sich ein Essener (Platzek? Von unserer Position aus nicht zu erkennen) hoch, und während wir schon in Jubel ausbrachen, kratzte der Verler Keeper den Ball noch von der Linie.

Wenig später verlängerte Zeiger einen langen Freistoß von Rabihic auf den Kasten, hier musste ein Reflex die zu diesem Zeitpunkt eigentlich verdiente Führung noch verhindern.
Dann ein Schrecksekunde: Nach einem taktischen Foul blieb Frank Löning am Mittelkreis liegen und musste wenig später gegen Jesic ausgewechselt werden. Alles Gute an dieser Stelle, hoffentlich nichts Schlimmeres.

Mit einem 0:0, das noch alle Möglichkeiten bot, ging es also in die Pause, die wieder ein buntes Entertainment-Programm aufbot, inklusive einem VERLobungsantrag (welch Wortspiel).

Nach dem Wechsel ging der wuselige und selbstbewusst spielende Ngankam auf die Position hinter Platzek und Jesic fand sich des Öfteren außen wieder. Die rot-weissen Angriffsbemühungen wurden intensiver. Schön dabei zu sehen, dass die Angriffe sehr variabel vorgetragen wurden, sowohl beide Außen als auch über Rabihic und Brauer in der Mitte entstanden immer wieder Situationen für den finalen Pass, der aber zu oft zu spät und damit zu ungefährlich gespielt wurde. Ein Distanzschuss der Verler senkte sich an die Latte – dies war die einzige ernsthafte Chance für die Gäste, ein Treffer hätte das Spiel auf den Kopf gestellt.

Malura hatte dann zwei dicke Chancen am Strafraumeck auf dem Schlappen, wurde aber einmal zur Ecke geblockt, beim zweiten Schuss parierte der Keeper glänzend.

Das Tor lag zu diesem Zeitpunkt in der Luft. Nach schönem Direktspiel zwischen Huckle, Rabihic und Cokkosan wurde letzterer am Strafraumeck gefoult.

„Den könnte man mal aufs kurze Eck schlenzen…“

„Nee, der schießt den flach!“

Rabihic hielt sich an die Vorgabe des Kollegen und verwandelte direkt per Flachschuss aufs lange Eck – da konnte der Verler Torwart nur hinterhergucken. Jubel allerortens, eine dicke Spielertraube auf dem Platz.

Verl wollte sich aber nicht so leicht geschlagen geben und zog nun ein extremes Pressing auf, aus dem unsere Mannschaft sich ein paar Minuten lang nur mit Mühe immer wieder befreien konnte.

An dieser Stelle stünde unter „normalen“ Umständen, dass es kam, wie es kommen musste, wie man es als Essener leider viel zu oft erlebt hat. Doch diesmal konnte der zweite oder dritte Konter mal ordentlich zu Ende gespielt werden. Kurzes Gestocher, Cokkosan auf die Reise geschickt, Querpass auf Jesic, der legt sich den Ball auf den rechten Fuß, lässt noch einen Spieler aussteigen und zimmert den Ball aus gut 12m unhaltbar in den Winkel.

Was folgte, war souveränes Herunterspielen der Zeit. Nico Lucas durfte noch für zwei Minuten Regionalliga-Luft schnuppern. Ein Trainer, der für die Uhr wechselt – auch das gibt es.

Als Resümee bleibt festzuhalten, dass unsere Mannschaft anscheinend wieder an Stabilität gewonnen hat. Dies war kein einfaches Spiel. Wie so oft wollte vorne der Treffer nicht fallen, und wenn dann der psychologische Faktor zum Tragen kommt, kann es schwierig werden. Doch nicht heute. Vorne lief es ordentlich, hinten gab es nicht viel zu tun, und wenn mal einer durchrutschte, wurde abgeklärt bereinigt. Erneut stimmte der Einsatz, das Niveau im Team wird zudem immer ausgeglichener.

Spieler des Tages heute gleich drei: Cokkosan, der mit seinem Lauf mit anschließendem Gefoult-Werden das 1:0 indirekt und das 2:0 mit seinem Pass direkt vorbereitete, Ngankam, der mit tollem Einsatz und enormer Laufbereitschaft zu überzeugen wusste (dann aber ab etwa der 70. Minute ziemlich platt war), und besonders Rabihic, der das rot-weisse Spiel ankurbelte und sich mit dem tollen Freistoß selbst belohnte.

Auf Trainer Demandt kommt nun wohl eine Art Luxus-Problem zu: Die heutige Elf wusste durchaus zu überzeugen, doch nun kehren die eigentlichen Stammkräfte Baier und Meier zurück. Ich persönlich hätte Probleme, jemanden auf die Bank zu setzen. Andererseits zeigt dies auch, dass wir vielleicht nun endlich über eine gewisse Qualität verfügen, um von der Bank nochmal nachzulegen. Bednarski heute trotz der Führung nicht zu bringen, halte ich für die richtige Entscheidung. Angesichts der Löning-Verletzung wäre es fahrlässig gewesen, dort ein unnötiges Risiko einzugehen.

Und wenn wir kommenden Sonntag drei Punkte in Aachen holen, ist mir eigentlich auch wurscht, wer dort spielt.

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