Leere Hände. Mal wieder.

Mit ebensolchen stehen wir nach einer durchaus durchwachsenen Partie bei der Alemannia da.

Frau nicht da, schönes Wetter – da fahr ich doch mal spontan mit dem Sohnemann zum Auswärtsspiel, zumal die jüngsten Erfolge doch Lust auf mehr gemacht haben.

Leider fing es gar nicht so gut an: Die ersten gut 15 Minuten gehörten den Hausherren, die einen ziemlichen Druck aufbauen konnten, aus dem sich unser Team erst nach und nach etwas befreien konnte. So hatte dann auch Platzek die erste Chance des Spiels, als er nach einem langen Pass den Ball annahm und aus 25m aufs Tor schoss, dabei aber wohl im Abseits stand, so dass die gute Parade des ehemaligen RWE-Ersatzkeepers Nagel auch keine Rolle mehr spielte.

Nach einer knappen halben Stunde dann der erste wirklich bange Moment. Zeiger verschätzte sich bei einem langen Ball, sein Kopfball zum Keeper zurück gelang zu kurz, so dass der Aachener Stürmer allein auf Heimann zulaufen konnte. In dieser Situation konnte Heimann aber prima den Torschuss verhindern.

Wenig später waren dann wohl schon die meisten angesichts der rar gesäten Chancen schon beim Pausentee, als dann plötzlich doch noch ein Aachener im Strafraum auftauchte und einen Flachschuss aufs Tor brachte, den Heimann nur noch per Reflex parieren konnte. Leider stand in der Mitte ein weiterer Aachener und konnte ins leere Tor einschieben. Insgesamt nach dem Verlauf der ersten Hälfte auch wohl eher verdient.

Nach dem Wechsel beschränkte sich Aachen aufs Verteidigen, was heute gegen die recht ideenlosen Angriffe unserer Mannschaft völlig ausreichte. Zu ausrechenbar, zu oft hoch gegen die großen Innenverteidiger. Der Schiri tat dazu mit einigen seltsamen Entscheidungen sein Übriges, für meinen Geschmack wurde Platzeks Körpereinsatz beispielsweise zwei-, dreimal zu oft weggepfiffen.

Nach einer knappen Stunde dann die letzte ernsthafte Aachener Szene: Langer Ball, Heimann kommt raus, aber Huckle schafft es nicht, den Aachener Spieler ordentlich zu blocken, so dass dieser den Ball an allen vorbeilegt. Sein Schuss ging aber glücklicherweise weit vorbei. In dieser Situation sehe ich leider Huckle in der Schuld, er hatte Heimann bedeutet, dass dieser sich um den Ball kümmern solle.

Als dann Bednarski zu seinem ersten Ligaeinsatz für RWE kam, hoffte ich persönlich darauf, dass nach vorne noch etwas ging. Bednarski war es auch, der die erste richtige Chance für unser Team hatte, sein Hammer aus gut 20m knallte allerdings nur an die Latte. Dieser Schuss schien dann so etwas wie ein Startsignal zu sein, ab diesem Moment war von Aachen offensiv nichts mehr zu sehen. Angriff auf Angriff rollte Richtung Aachener Tor, außer ein paar Ecken kam aber nicht viel dabei rum. In der Nachspielzeit kratzte dann noch ein Aachener einen Ball von der Linie (konnte nicht sehen, wer geschossen hatte), und Bednarski traf quasi mit dem Abpfiff erneut die Latte – 0:1 Ende.

Ein mittlerer Aufreger passierte dann noch nach Abpfiff, als die „Anzug und Hemd“-Fraktion der Aachener aus der Loge mit Mittelfinger, Onanier-Gestik und anderen Gebärden in Richtung Essener Stehblock agierte. Dieses Gehabe hätte ich von  pubertierenden Jungs oder Mitt-Zwanzigern erwartet, nicht jedoch von (vermutlich) gestandenen Unternehmern und deren Begleit-Damen. Aber dies nur am Rande.

Heute stimmte zwar erneut der (läuferische!) Einsatz, aber wie oben schon beschrieben war das alles zu simpel gespielt. In einer ganzen Reihe Situationen wurde der Pass zu spät oder zu zaghaft gespielt, zudem machten die Aachener über 90 Minuten ein ziemliches Pressing auf die Defensive und unterband jeglichen Spielaufbau im Ansatz. Daran konnten leider auch nicht die offensiven Wechsel (Bednarski für Jesic, Ngankam für Huckle, Baier für Rabihic) nichts mehr ändern.

Ich mag heute keinen Spieler hervorheben, dazu war da zu viel Schatten und zu wenig Licht auf dem Platz.

Schade, dass das zarte Pflänzchen Hoffnung, nach oben wieder ranzukommen, nun erst mal wieder eingegangen ist. Es ist nun am Trainerteam, aus dem heutigen Spiel wieder die richtigen Schlüsse zu ziehen und der Mannschaft gegen die anderen Schwarz-Gelben der Liga ein anderes Gesicht zu verpassen.

Ver(l)dienter Sieg.

Der SC Verl ist seit vielen Jahren in der Regionalliga zu Hause und hat sich in den vergangenen Spielzeiten meist frühzeitig im Tabellenmittelfeld festgesetzt. Hier in Essen belächelt man die Ostwestfalen gerne, hat der Ort doch weniger Einwohner als der Korfu-Grill in Huttrop Stammkunden.

Die Gäste sind recht ordentlich in die Saison gestartet und kamen mit ordentlich Dampf aus der Kabine. Außer ein paar schönen Kombinationen sprang aber nicht mehr heraus, so dass unsere Elf mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel bekam und die Verler in die eigene Hälfte zurückdrängen konnte. Nach einer schönen Flanke von links schraubte sich ein Essener (Platzek? Von unserer Position aus nicht zu erkennen) hoch, und während wir schon in Jubel ausbrachen, kratzte der Verler Keeper den Ball noch von der Linie.

Wenig später verlängerte Zeiger einen langen Freistoß von Rabihic auf den Kasten, hier musste ein Reflex die zu diesem Zeitpunkt eigentlich verdiente Führung noch verhindern.
Dann ein Schrecksekunde: Nach einem taktischen Foul blieb Frank Löning am Mittelkreis liegen und musste wenig später gegen Jesic ausgewechselt werden. Alles Gute an dieser Stelle, hoffentlich nichts Schlimmeres.

Mit einem 0:0, das noch alle Möglichkeiten bot, ging es also in die Pause, die wieder ein buntes Entertainment-Programm aufbot, inklusive einem VERLobungsantrag (welch Wortspiel).

Nach dem Wechsel ging der wuselige und selbstbewusst spielende Ngankam auf die Position hinter Platzek und Jesic fand sich des Öfteren außen wieder. Die rot-weissen Angriffsbemühungen wurden intensiver. Schön dabei zu sehen, dass die Angriffe sehr variabel vorgetragen wurden, sowohl beide Außen als auch über Rabihic und Brauer in der Mitte entstanden immer wieder Situationen für den finalen Pass, der aber zu oft zu spät und damit zu ungefährlich gespielt wurde. Ein Distanzschuss der Verler senkte sich an die Latte – dies war die einzige ernsthafte Chance für die Gäste, ein Treffer hätte das Spiel auf den Kopf gestellt.

Malura hatte dann zwei dicke Chancen am Strafraumeck auf dem Schlappen, wurde aber einmal zur Ecke geblockt, beim zweiten Schuss parierte der Keeper glänzend.

Das Tor lag zu diesem Zeitpunkt in der Luft. Nach schönem Direktspiel zwischen Huckle, Rabihic und Cokkosan wurde letzterer am Strafraumeck gefoult.

„Den könnte man mal aufs kurze Eck schlenzen…“

„Nee, der schießt den flach!“

Rabihic hielt sich an die Vorgabe des Kollegen und verwandelte direkt per Flachschuss aufs lange Eck – da konnte der Verler Torwart nur hinterhergucken. Jubel allerortens, eine dicke Spielertraube auf dem Platz.

Verl wollte sich aber nicht so leicht geschlagen geben und zog nun ein extremes Pressing auf, aus dem unsere Mannschaft sich ein paar Minuten lang nur mit Mühe immer wieder befreien konnte.

An dieser Stelle stünde unter „normalen“ Umständen, dass es kam, wie es kommen musste, wie man es als Essener leider viel zu oft erlebt hat. Doch diesmal konnte der zweite oder dritte Konter mal ordentlich zu Ende gespielt werden. Kurzes Gestocher, Cokkosan auf die Reise geschickt, Querpass auf Jesic, der legt sich den Ball auf den rechten Fuß, lässt noch einen Spieler aussteigen und zimmert den Ball aus gut 12m unhaltbar in den Winkel.

Was folgte, war souveränes Herunterspielen der Zeit. Nico Lucas durfte noch für zwei Minuten Regionalliga-Luft schnuppern. Ein Trainer, der für die Uhr wechselt – auch das gibt es.

Als Resümee bleibt festzuhalten, dass unsere Mannschaft anscheinend wieder an Stabilität gewonnen hat. Dies war kein einfaches Spiel. Wie so oft wollte vorne der Treffer nicht fallen, und wenn dann der psychologische Faktor zum Tragen kommt, kann es schwierig werden. Doch nicht heute. Vorne lief es ordentlich, hinten gab es nicht viel zu tun, und wenn mal einer durchrutschte, wurde abgeklärt bereinigt. Erneut stimmte der Einsatz, das Niveau im Team wird zudem immer ausgeglichener.

Spieler des Tages heute gleich drei: Cokkosan, der mit seinem Lauf mit anschließendem Gefoult-Werden das 1:0 indirekt und das 2:0 mit seinem Pass direkt vorbereitete, Ngankam, der mit tollem Einsatz und enormer Laufbereitschaft zu überzeugen wusste (dann aber ab etwa der 70. Minute ziemlich platt war), und besonders Rabihic, der das rot-weisse Spiel ankurbelte und sich mit dem tollen Freistoß selbst belohnte.

Auf Trainer Demandt kommt nun wohl eine Art Luxus-Problem zu: Die heutige Elf wusste durchaus zu überzeugen, doch nun kehren die eigentlichen Stammkräfte Baier und Meier zurück. Ich persönlich hätte Probleme, jemanden auf die Bank zu setzen. Andererseits zeigt dies auch, dass wir vielleicht nun endlich über eine gewisse Qualität verfügen, um von der Bank nochmal nachzulegen. Bednarski heute trotz der Führung nicht zu bringen, halte ich für die richtige Entscheidung. Angesichts der Löning-Verletzung wäre es fahrlässig gewesen, dort ein unnötiges Risiko einzugehen.

Und wenn wir kommenden Sonntag drei Punkte in Aachen holen, ist mir eigentlich auch wurscht, wer dort spielt.

Geht doch

Teil 2 der „Ostwestfalenwochen“ bei RWE durfte ich diesmal nur aus der Ferne erleben, da a) der Sohnemann seinen Saisonauftakt in der Jugendmannschaft eines Essener Zweitligisten hatte (kein Fußball), b) verzichte ich seit einiger Zeit auf Auswärtsspiele ausserhalb des erweiterten Ruhrgebiets, und c) ist Ahlen jetzt kein Höhepunkt, den ich mir trotzdem gegeben hätte.

Gegner heute also RW Ahlen, seines Zeichens Dorfverein, vorletzte Saison in die Regio aufgestiegen, letzte Saison knapp die Klasse gehalten und mit zwei fulminanten Siegen in die Liga gestartet, bevor sie ähnlich dem RWE in schöner Regelmäßigkeit die Punkte abgeliefert haben.

Zum Zeitpunkt des Anpfiffs war ich also noch in einer Sporthalle gefangen und darauf angewiesen, was der Liveticker so hergab. Ich las von einem durchaus offensiven RWE, der wie fast schon gewohnt das Spiel kontrollierte, Chancen herausspielte, das Tor jedoch nicht zu treffen vermochte. Immer hin- und hergerissen zwischen dem Livebild vor Ort und dem Handydisplay, leicht nervös bei jedem Toralarm aus den anderen Stadien.

Als ich mich dann nach Ende des letzten Spieles endlich aus dem Staub machen konnte, fiel mir wieder ein, dass Radio Hafenstraße auch per Telefon empfangbar ist – danke für den tollen Service. Kaum war der Trailer abgespielt und der Kommentar zu hören, fasste sich „TC22“ ein Herz und erlöste uns alle vom Fluch der Torlosigkeit. Beim Einbiegen auf den heimischen Parkplatz fiel dann das 2:0 für unsere Truppe. Die wollten doch nicht etwa…?

Halbzeit zwei konnte ich dann entspannt übers Webradio hören. Diese war zwar ziemlich ereignislos, aber als Essener hat man ja immer Angst vor spontanen Umschwüngen im Spielverlauf. Doch stattdessen erhöhte Marcel Platzek auf 3:0. Sie wollten also tatsächlich. Punkte im Sack!

Da ich das Spiel selbst nicht gesehen habe, überlasse ich die Bewertung anderen.

Am Freitag dann Teil 3 der Ostwestfalen-Trilogie gegen den SC Verl. Für uns ja noch so ein belächelter Dorfverein, man darf aber nicht unterschätzen, dass sie seit vielen Jahren in der Liga etabliert sind.

Angelehnt an einen Tweet, den ich heute Morgen bekam, ziehe ich abschließend das Fazit, dass mir solche Spieltage deutlich lieber sind als solche, die wir zuletzt erleben mussten. Ich mach mir jetzt erstmal ne Grillwurst und trink mir ne lauwarme Coke.

Danke für nichts.

Ich habe keine großartige Lust, auf das heutige Spiel näher einzugehen. Erste Halbzeit überlegen, zweite Halbzeit mit mutigeren Rödinghausern, zwei Elfern gegen uns (1x gehalten, 1x drin) und roten Karten, die wohl berechtigt waren. 0:1, Rödinghausen ist und bleibt damit sowas wie der Angstgegner unseres Vereins.

Was aber nach dem nicht gegebenem Elfer gegen Löning – ich hätte ihn wohl auch nicht gegeben, was auch generell zur Linie des Schiris passte – auf und vor der Westkurve passierte, macht mich wütend und traurig zugleich.

Ohne den moralischen Zeigefinger zu hoch erheben zu wollen: es gehört schon eine ganze Menge Dummheit dazu, eine Fahnenstange in den Strafraum des Gegners zu werfen, nachdem der Schiri schon auf die beinahe schon obligatorischen (schlimm genug) Feuerzeuge mit seiner Gestik signalisiert hatte, das Spiel ab- oder unterbrechen zu wollen. Dass der Rödinghauser Torwart im Vollsprint hinrennt und zeigt, was da liegt – tja, das hätte wohl jeder so gemacht. Und komm mir keiner mit „früher war es noch schlimmer“! Mag sein. Aber da wurde es vielleicht auch nicht so scharf sanktioniert. Und ob das besser war, lasse ich mal dahingestellt. Ich würde mich nicht wundern, wenn uns mal ein Geisterspiel anstehen würde.

Kommentare wie „Heul leise“ und „halt dein Maul“ zeigen deutlich das Problem, das einige haben: Selbstinszenierung um jeden Preis.

Ich weiß, in W2 nennt man sich nicht mehr Ultra, aber steht selbige Einstellung nicht für bedingungslose Unterstützung für den Verein? Wenn Unterstützung so aussieht, dass man dem Verein finanziell schadet und das mühsam nach außen wieder aufgebaute Image zerstört, dann kann ich darauf gerne verzichten.

Auf Dinge wie „Vorstand raus“ und die zynischen Kommentare zur Hoch-3-Aktion, die einige offensichtlich immer noch nicht verstanden haben, gehe ich hier nicht weiter ein.

Stadionverbote sollten logische Konsequenz des heutigen Abends sein. Der Ruf „gegen alle Stadionverbote“ wurde wunderbar ad absurdum geführt.

Heute schäme ich mich, Fan von Rot-Weiss Essen zu sein.